Freitag, 1. August 2014

"Denn ein schlechter Nachbar ...

 ... ist eine so große Plage,
wie ein guter ein Segen ist."
Hesiod

Ich bin ein gutmütiges Schaf.
Ich bin nur selten wütend.
Das liegt daran,
dass der Wut ein negatives Gefühl vorausgehen muss.
Sie kommt nie allein,
ist immer nur die Nachhut.

Wenn ich von Menschen, die ich liebe,
enttäuscht werde oder mich ungerecht behandelt fühle,
kann ich auch wütend sein.
Wie die Operationen vor gut einem Monat zeigten,
kann ich auch zur Furie werden,
wenn ich mich
ausgeliefert, hilflos oder
schlichtweg vergessen fühle.
Ich rege mich mit Inbrunst über andere Verkehrsteilnehmer auf,
weil sie durch ihre Unachtsamkeit oder Dreistigkeit,
mich und meine Lieben in Gefahr bringen.
Aus Sorge, eben ...

Ansonsten ...
schafft es kaum jemand, den ich nicht richtig kenne,
mich aus der Reserve zu locken.
Schulterzucken, Kopfschütteln,
weiter geht's.
Kein Grund, sich aufzuregen.

Normalerweise.

MANCHMAL jedoch
mutiere ich zu Mrs Hyde.

So geschehen am Mittwochabend.
Die weltbeste Nachbarin kam zu uns nach oben,
wir haben uns gemeinsam einen Film angesehen,
kurz nach 22 Uhr sollte der Abend für alle enden.
Hatterabernich.

Das Ferienkind konnte bei geöffnetem Fenster nicht einschlafen,
weil der Nachbar gegenüber lärmenden Besuch hatte.
Damit meine ich:
sie saßen zwischendurch auf der Fensterbank des weit geöffneten Fensters
und unterhielten sich lautstark brüllend mit dem Nachbarn,
zwei Fenster weiter ...
Also Fenster geschlossen,
dem Kind den Ventilator ins Zimmer gestellt
und auf Müdigkeit gehofft.
 Soviel zum frontalen Beschuss.

 Nebenan, angrenzend an unser Schlafzimmer,
sind vor einiger Zeit neue Nachbarn eingezogen.
Eine getrennt lebende Frau mit vier Kindern,
einem sehr individuellem Schlafrhythmus
und der lautesten Stimme, die mir je untergekommen ist.
Die Frau schreit,
egal was sie sagt.
 Da kann sie erstmal nix für.
Dabei hüllt sie sich aber noch in Lärm.
Sie bevorzugt laute Musik aus den 80ern
und Staubsaugerdröhnen
Dann MUSS sie schreien,
um sich Gehör zu verschaffen.
Ich kippe dann vor Schreck vom Stuhl.
Die jüngste Tochter hat Mamas Organ geerbt
und brüllt so schrill,
dass mir jedes Mal die Zahnfüllungen zittern.
Ihre Balkontür zum Hof steht immer offen,
damit auch alle was davon haben.
Soviel zum Beschuss von hinten.

Ich sitze also im Wohnzimmer,
ebenfalls Hofseite,
Fenster wegen der brüllenden Nachbarin nebenan geschlossen,
und warte darauf, dass das Kind endlich einschlafen kann,
als gegen 23.15 Uhr meine Verwandlung einsetzt.

Um 23.30 Uhr trifft es den Nachbarn gegenüber.
Ich glaube, ich hatte Schaum vor'm Mund
und es kam Schwefelrauch aus meinen Nasenlöchern.
Keine Ahnung, wie der Nachbar heißt,
also die flache Hand auf's Klingelbrett und großräumig Sturm schellen.
Kann ja ohnehin keiner pennen ...
Rollos werden hochgezogen,
Fenster, die gegen den Lärm geschlossen worden waren,
 vorsichtig geöffnet und nach einer Weile
erscheint auch das Gesicht des lärmenden Nachbarn am Fenster.
Als ich fertig bin, steht ihm Angst ins Gesicht geschrieben
und er stottert.
"Ent.. Entschuldigung... wir w... wollten nur ein bisschen Geburtstag feiern..."
"Herzlichen Glückwunsch.
Mach die Fenster zu oder ich komm dir da hoch."
 SEINE Fenster bleiben geschlossen,
alle anderen weit geöffnet.
Endlich Luft.
Auch für's - zugegebenermaßen -
mittlerweile schlafende Kind im Kinderzimmer.
Ich mache mich also bettfertig,
doch gegen 0.30 Uhr erleide ich einen Rückfall,
als meine Nachbarin ihre vierjährige Tochter,
unterstrichen von lautem Topfgeklapper
"nochmal zum Klo" schickt
und mir beinahe das Trommelfell platzt.
Also raus auf den Balkon und sie aus ihrer Bude gerufen.
Sie reagierte sehr viel souveräner als der Typ vor ihr
und gestern Abend rechnete ich eigentlich
mit einer Trotzreaktion.
Doch immernoch ist alles ruhig ...
Ich bilde mir mal vorsichtshalber nix drauf ein.
Vermutlich sind alle nur müde ...

Schöne Zeit !

;O)

Mari

Kommentare:

  1. Ich drücke dir die Daumen, dass esnoch lange ruhig bleibt!!!!

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  2. Kenn ich! Wenn es hier nachts allzu arg wird, mutiere ich zum Hulk. Kann deine Reaktion absolut nachvollziehen.

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  3. von unserer oberignoranten Nachbarin brauch ich dir ja nix zu erzählen... du hast mein vollstes Verständnis.

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