Dienstag, 15. Juli 2014

Gestatten, mein Name ist Luke - Teil 3



"Jetzt lebe ich schon drei Jahre lang mit diesem Menschenrudel.
Das Muttertier, das mich damals in die Wohnung brachte,
ist seitdem MEIN Menschenweibchen.
Solange sie da ist und sich kümmert,
geht es mir gut.
Wenn sie fort bleibt,
suche und rufe ich sie,
bevor ich krank werde.
Krank vor Angst in Herz und Kopf.
Dann tue ich Dinge, die ein gut erzogener Kater nicht tut ...
... aber lassen wir das.

Im letzten Jahr war ich auch mal krank.
So krank, dass ich die Wohnung nicht mehr verlassen konnte.
Das Fressen schmeckte mir nicht,
ich magerte ab.
Ich konnte nichts tun.
Meist kauerte ich auf einer Decke in der Badewanne.
Das Muttertier schleppte mich mehrfach zum Tierarzt
Eine Infektion ???
Ich bekam Spritzen, Tabletten, fraß die Schonkost nicht.
Irgendwann meinte der Tierarzt,
ich wirke anämisch,
deshalb sollte das Menschenweibchen mir noch zusätzlich
Eisentabletten in den Schlund stopfen.
Nichts besserte sich.
Es wurde alles nur noch schlimmer.
Eines Tages,
als mich im Grunde alle schon aufgegeben hatten,
sagte mein Menschenweibchen zu mir:
"Du bist blass,
du lässt dich hängen,
verwahrlost,
hast keinen Appetit,
pflegst keine sozialen Kontakte mehr,
schaffst keinen Schritt vor die Türe ...
... du hast kein körperliches Leiden.
Kater,
du bist depressiv!".
Sie nahm mich auf den Arm,
trug mich runter in den Garten
und setzte sich mit mir auf das Mäuerchen.
Mehrere Tage hintereinander.
Irgendwann traute ich mich von ihrem Schoß.
Sie wartete auf mich, nahm mich dann wieder mit hoch
und legte mich in meine Wanne.
Irgendwann traute ich mich raus,
dann aber plötzlich nicht wieder hinein und so kam es,
dass sie mich eine Weile lang immer irgendwo einsammelte
und mit stoischer Geduld die Treppen rauf oder runter trug.
"Was ist dir denn bloß passiert, Kater???",
fragte sie mich ständig.
Ich kann bis heute nicht drüber reden,
aber eines steht fest:
ich habe mich tapfer der Therapie gestellt.

Das war einmal.

Im Moment ist alles gut.
Sie öffnet mir morgens die Tür,
wechselt unter meinem strengen Blick mein Trinkwasser,
reicht mir einen kleinen Frühstückssnack
und ich verkrümle mich für's erste Schläfchen wieder in den Garten.
Momentan liege ich dann gerne auf den
Gartenmöbeln der Nachbarn links von uns.
Die kommen erst am Nachmittag in den Hof.
Ich nehme auch gern einen Mittagssnack zu mir.
Entweder, sie lässt mich wieder ein oder,
falls sie nicht zuhause ist,
stellt sie mir ein Häppchen in den Hausflur.
So machen wir das am Abend auch:
entweder fresse ich vor dem Fernsehprogramm
oder irgendwann, später in der Nacht,
wenn ich ihnen ein Mäuschen auf die Türmatte gelegt habe.
Sie und die Nachbarin im Erdgeschoss
sind auch immer redlich darum bemüht,
mir im Hausflur Liegeplätze einzurichten.
Sie lernen es nie...
Ich liege lieber auf Türmatten,
in Altpapierkartons oder großen Blumentöpfen.



Wenn das Kind laut quietschend und schreiend vor mir herumzappelt,
gibt es Mecker von Muttern:
"Du weißt, dass er das nicht mag!
Also lass das!",
und wenn ich versuche, das Kind dafür zu verprügeln:
"Das gilt auch für DICH, Kater!!!".
Dann geben wir beide Fersengeld.
Als Türöffner ist das Menschenkind mittlerweile ganz gut zu gebrauchen.
Ich weiß nicht,
wie lange Menschenjunge brauchen,
um flügge zu werden.
Er wächst verhältnismäßig langsam.
Ich fürchte,
er bleibt NOCH einen Sommer im Nest ...



Das Menschenmännchen ist mein großer Kumpel.
Er lässt mich machen,
hat große Kraulehände,
eine ruhige, tiefe Stimme,
dafür himmel ich ihn an
Mein Menschenweibchen auch.

So.
Nun habe ich genug aus dem Nähkästchen geplaudert.
Ich gehe.

MUTTERTIER ???
Los, schwing die Hufe,
mach mir die Tür auf...
HILFEEEEE!!!!!
ICH WILL DA RAUUUUUS !!!!!"


 "Jaaaa doch !!!
Mach jetzt kein Kleinholz aus der Tür !!!
Ich komm' ja schon !!!
Alte Nervkuh."

Schöne Zeit !

;O)

Mari und Luke


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